
Allzu klein, um das Schiff gewinnbringend
zu verschrotten und in zu schlechtem Zustand, um bei jemandem Kauflust zu
wecken. Jahrzehntelang lag die Dampfbarkasse Frithiof unbeachtet in der Werft
auf der kleinen Insel Beckholmen in Stockholm. Nach mehreren Jahren harter
Arbeit und beinahe 10 Mill. Kronen an Renovierungskosten strahlt die Frithiof
heute in ihrer einstigen Pracht.
"Der Verfall hatte sich jahrelang hingestreckt,
und das Schiff war ein total ausgebranntes Wrack, als wir es 1998 übernahmen",
sagt Claes Insulander, Kapitän an Bord des Dampfers Mariefred, der auch
die Renovierungsarbeit an der Frithiof leitete. Im Herbst 1998 hatte er den
Ingenieur K.G. Knutsson aus Stockholm kennengelernt. Knutsson, ein grosser
Liebhaber der Dampfschiffe, hatte Interesse daran, ein älteres Dampfschiff
wieder wasser- und verkehrstauglich zu machen. Ein Gedanke, der dem Kapitän
Insulander auch nicht fremd war.
Dann entdeckte man die Frithiof, die zu dieser Zeit im Besitz der Stiftung
Schärenboote war. Die Stiftung hatte das Dampfschiff in der Hoffnung
übernommen, es für die Nachwelt retten zu können. Aber leider
fehlten die notwendigen finanziellen Mittel für eine Renovierung. K.G.
Knutsson trat im rechten Augenblick auf, und der Kaufpreis wurde symbolisch
auf 1 Krone festgelegt. Im Frühjahr 1999 wurde die Frithiof in der Werft
auf der Insel Beckholmen aufgelegt, und nun begann
eine umfangreiche Renovierung, bei
welcher alles, vom Kiel bis zum Schornstein, funktionstüchtig gemacht
wurde."Wir wollten alles so genau und richtig machen wie nur möglich
und hochqualitative Arbeit leisten", sagt Claes Insulander. "Wir
haben viele Details wie Messingbeschläge, Maschinentelegraf, ja sogar
die Scharniere an Bord, neu herstellen lassen."
Ein Grundgedanke bei den Arbeiten war, die Dampfmaschine in den Mittelpunkt
des Interesses zu setzen. Die Dampfmaschine ist aus dem Baujahr 1897 und befindet
sich heute mittschiffs. So ist sie für die Passagiere ein unmittelbarer
Blickfang. "Früher baute man die Maschinen in abgegrenzten Räumen,
um die Passagiere nicht zu stören", sagt Claes Insulander. K.G.
Knutssons Idee war jedoch, die enorme Bedeutung der Dampfmaschine hervorzuheben,
nicht nur für Züge und Schiffe, sondern für die gesamte
industrielle Entwicklung.
Aus kulturhistorischen und pädagogischen Gründen erhielt die Dampfmaschine
einen zentralen Platz, damit die Passagiere sämtliche Details erkennen
und die Funktion der Maschine verstehen können.
Die erste Phase der Renovierung wurde 2002 rechtzeitig zum 750-Jahre
Jubiläum der Stadt Stockholm abgeschlossen, und die Frithiof nahm mit
der gesamten Stockholmer Dampferflotte am feierlichen Geleit vom Königlichen
Schloss zur Insel Riddarholmen teil.
Im Sommer 2002 verkehrte die Frithiof auch einige Wochen
lang an den Wochenenden zwischen Mariefred und Taxinge Näsby. Vor allem
aber ist diese Dampfbarkasse für den Charterverkehr in der Ostsee und
im Mälarensee vorgesehen. Sie ist zertifiziert für 62 Passagiere.

