
...zumindest ist es nicht bekannt. Aus welchem
Anlass hätte er eigentlich fahren sollen?
Als die Mariefred oder Maja, wie sie allgemein von den Leuten
in Mariefred genannt wird am 14. April 1903 ihre Jungfernfahrt von Stockholm
nach Mariefred machte, war sie keineswegs das einzigartige Schiff von heute.
Damals wurde der Mälarensee von etwa 50 Dampfschiffen auf verschiedenen
Routen befahren. Vor 100 Jahren hätte der damalige schwedische König
Oscar II eine grosse Auswahl an Schiffen gehabt, wenn er an einer Schiffsreise
interessiert gewesen wäre. Die Mariefred war zwar ganz neu und auch auf
dem oberen Deck mit einem eleganten Restaurant 1. Klasse versehen, aber sie
war eigentlich doch nur eines von vielen halbgrossen Schiffen, welche die
Anlegebrücken und Ortschaften am Mälarensee anliefen. Die Bezeichnung
"Touristendampfschiff 1.Klasse" in der Zeitung von Mariefred war
also auch mit den
Grössenvorstellungen der damaligen Zeit gemessen deutlich übertrieben.
Wie die anderen Dampfer war die Mariefred nicht nur für den Passagierverkehr
bestimmt. Die Schiffe frachteten auch Gemüse, Obst und Fisch von den
grösseren Gutshöfen im Mälarental nach Stockholm. Ausserdem
wurde die Route Stockholm - Mariefred
einst so stolze Mälarensee-Flotte schrumpfte von Jahr zu Jahr. Entweder wurden die Schiffe verkauft, umgebaut oder gar verschrottet. Mit dem 2. Weltkrieg kam der Wendepunkt. Die Rationierung von Benzin und Gummi trug zum Wiederaufschwung des Dampferverkehrs bei, und die Gesellschaft konnte zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder schwarze Zahlen aufweisen. Sobald aber der Kanonendonner über Europa aufhörte, ging es wieder bergab. Es wurde deutlich, dass die Ära der Dampfschiffe zu Ende war. Die Mariefred dampfte zwar Sommer um Sommer tapfer weiter, doch blieb die finanzielle Lage schwierig. Jede Verkehrssaison endete mit neuen Verlusten. Im Jahre 1965 war die Kasse leer und die Stiftung "Schärenboote", ein ideeller Verein zur Erhaltung und Unterstützung der verbliebenen Dampfschiffe, übernimmt den grössten Teil der Aktien der Gesellschaft.

Besonders viel Geld hatte die Stiftung auch nicht, aber umso mehr Engagement,
guten Willen und Ehrgeiz. Und das kann wie wir sehen werden manchmal Wunder
bewirken...
Die 80er Jahre hätten nicht schlimmer beginnen können für die
Mariefred. Ein Brand an Bord im Frühjahr 1980 und der notwendige Austausch
des 79-jährigen Dampfkessels einige Jahre später verursachten neue
Kosten. Diese Ausgaben konnten grösstenteils mit Hilfe von freiwilligen
Beiträgen und ideellen Einsätzen beglichen werden. Als die Mariefred,
restauriert und mit einem neuen Dampfkessel versehen am 8. Mai 1983 zu ihrer
ersten Fahrt der Sommersaison startet, wird überall an den Kais begeistert
salutiert, besonders im Heimathafen in Mariefred. Seit 80 Jahren fährt
die Mariefred nun auf derselben Linie - das soll mal einer nachmachen!
Genau elf Jahre später, am 8. Mai 1994, salutiert hingegen niemand. In den Radionachrichten früh morgens heisst es "Das ahnenstolze Dampfschiff Mariefred wurde gestern nacht wieder einmal von einem Brand heimgesucht. Die Feuerwehr kam zwar schnell zur Anlegestelle Stadshuskajen in Stockholm, dennoch war der Schaden gross". Einer der Vertreter der Stiftung, Karl Dingertz kommentiert die verheerende Szene: "Vor uns haben wir das total ausgebrannte Restaurant, welches vor 14 Jahren aus brandsicherem
Material gebaut werden sollte. Der Damensalon im oberen Deck ist auch total
ausgebrannt und dieser Raum war beinahe im Originalzustand..."
Es sah wirklich so aus, als wäre das 91-jährige Märchen zu
Ende. Aber wieder einmal stellte sich heraus, dass ideelle Aktivitäten
selbst ein Wrack wieder seetüchtig machen können. Noch am gleichen
Tag konnten am Kai mehr als 5000 Kronen eingesammelt werden. Das war ein erster
Beitrag zum Wiederaufbau, der acht Wochen dauerte und rund 1,5 Mill. Kronen
kostete.
Am 2. Juli 1994 ging dann die erste Fahrt mit der restaurierten Mariefred
von Stockholm nach Mariefred. Es war fantastisch zu sehen, mit welcher Begeisterung
so viele Menschen das Schiff empfangen haben, ähnlich wie in den Jahren
1903, 1980, 1983 und 1993. Doch scheint der Empfang am 2. Juli 1994 der grösste
in der 91-jährigen Geschichte des Schiffes gewesen zu sein.
Als das Schiff wieder im Heimathafen ankerte, gab es grossen Applaus unter
den Tausenden von Mariefred-Bewohnern, die alle zum Wiederaufbau beigetragen
hatten. Nach vielem Ach und Krach befand sich das Schiff wieder auf seiner
Route, so wie jeden Sommer seit 1903".
